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titel: "Ich sehe was, was du nicht siehst: Parkplätze"
untertitel: "Wo sind unsere Parkplätze hin? Die Antworten der Gemeinde zum neuen Rathaus werfen mehr Fragen auf, als sie klären."
typ: gastbeitrag
datum: ""
medium: ""
medium_link: ""
autor: "Maximilian Pfannkuch"
programmpunkte: ["03"]
ortsteil: Altenhaßlau
themen: [Rathaus, Stellplätze, Baukosten, Transparenz]
zusammenfassung: "Die Gemeinde nennt 547 m² für den Rathaus-Anbau, Bautagebuch und Architekten kommen auf ein Vielfaches. Daran hängen die Parkplätze – und die Frage, ob für das Rathaus dieselben Regeln gelten wie für alle."
quellen:
  - { titel: "Gemeinde Linsengericht – Bautagebuch Erweiterung Rathaus", url: "https://www.linsengericht.de/bauen-verkehr/bauen/projekte/erweiterung-rathaus/" }
  - { titel: "Projektseite des Architekturbüros (BGF 2.016 m², NUF 1.605 m²)", url: "" }
verwandt: [2026-06-24_anfrage-rathaus-flaeche, 2026-06-19_flaechenkataster]
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Mai 2024, Altenhaßlau: Die Gemeinde legt den Grundstein für ihren neuen Rathaus-Anbau. Ein Haus aus Holz, mit Solarstrom vom Dach – ein Bau, auf den man stolz sein wollte. Jeden Schritt zeigte die Gemeinde im Internet, in einem Bautagebuch. Dort steht: Die Bodenplatte misst 670 Quadratmeter. Darauf stehen zwei volle Etagen, dazu ein Dachgeschoss mit Estrich, Duschen und Lüftung. Kosten laut Presse: rund 8,7 Millionen Euro.

Zwei Jahre später, am 19. Juni 2026, fragt Werner Fischer in der Sitzung der Gemeindevertretung ganz einfach: Wie viel Fläche wurde gebaut? Wie viele Parkplätze braucht es dafür, und wo sind sie?

Die Antwort der Gemeinde: 547,15 Quadratmeter und 19 Parkplätze, „am Rathaus und dem Parkplatz an der alten Schule“.

Aus meiner Sicht kann diese Zahl nicht stimmen, denn die Gemeinde widerspricht sich selbst. Allein die Bodenplatte misst laut Bautagebuch 670 Quadratmeter. Das ganze Haus soll kleiner sein als sein eigenes Erdgeschoss? Zählt man beide Etagen und das Dachgeschoss zusammen, kommt man auf 1.200 bis 1.700 Quadratmeter. Das ist das Doppelte bis Dreifache der offiziellen Zahl.

Nun gibt es noch eine dritte Quelle: die Internetseite der Architekten, die das Haus geplant haben. Dort steht eine Bruttogrundfläche von 2.016 Quadratmetern. Die Fläche der Räume geben sie mit 1.605 Quadratmetern an. Das ist fast das Dreifache der amtlichen Zahl.

Und jetzt wird es spannend. Teilt man die 2.016 Quadratmeter auf die drei Ebenen auf, ergibt das 672 Quadratmeter je Etage. Die Bodenplatte im Bautagebuch misst 670. Zwei ganz verschiedene Quellen kommen also fast auf den Meter zum gleichen Ergebnis. Nur eine Zahl fällt heraus: die amtliche.

Vielleicht haben sich ja auch die Architekten geirrt und falsche Zahlen auf ihre Internetseite geschrieben. Dann sollte man es ihnen sagen – gebaut haben sie das Haus ja immerhin selbst.

Das ist keine Erbsenzählerei, denn an der Fläche hängt die Zahl der Parkplätze. Die Regel der Gemeinde sagt: ein Parkplatz je 30 Quadratmeter Fläche. Bei der wirklichen Fläche wären das 31 bis 41 Parkplätze. Nach den Zahlen der Architekten sogar 54. Direkt am Rathaus zählen wir aber nur rund 12.

Auf 19 kommt die Gemeinde nur, weil sie den Parkplatz an der alten Schule mitzählt. Doch den braucht schon das Vereinsheim dort. Nun könnte man sagen: Das Rathaus parkt am Tag, der Verein am Abend. Das stimmt aber nicht. Das Vereinsheim braucht seine Parkplätze auch tagsüber. Ein Parkplatz kann nicht zwei Häuser zugleich bedienen. Zum Vereinsheim sagt die Gemeinde übrigens nur: „Altbestand, keine Berechnung erforderlich.“

Dabei kennt die Gemeinde bei ihren Bürgern kein Pardon. Wer hier baut, muss seine Parkplätze genau nachweisen. Egal ob er zwei Autos hat, eines oder keines. Die Regel gilt hart und ohne Ausnahme – und das ist im Grunde auch richtig. Aber: Was für jeden Bürger gilt, muss auch fürs Rathaus gelten.

Und noch eine Rechnung macht stutzig. 8,7 Millionen Euro geteilt durch 547 Quadratmeter – das wären fast 16.000 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Die Elbphilharmonie in Hamburg gilt als teuerstes Gebäude des Landes. Sie kostete rund 7.200 Euro pro Quadratmeter. Unser Anbau wäre also pro Quadratmeter mehr als doppelt so teuer wie das Konzerthaus. Entweder steht bei uns das teuerste Amtshaus der Republik. Oder die Fläche ist einfach zu klein angesetzt.

Die Gegenprobe spricht für das Zweite. Rechnet man mit den 2.016 Quadratmetern der Architekten, kostet der Bau rund 4.300 Euro pro Quadratmeter. Das ist für so ein Haus ein normaler Preis. Mit der richtigen Fläche wird die Rechnung also plötzlich stimmig.

Heißt das, hier hat jemand getäuscht? Nein, das behaupte ich ausdrücklich nicht. Es kann eine Erklärung geben – aber genau das ist der Punkt: Niemand kennt sie. Die genaue Rechnung zur Fläche liegt der Gemeindevertretung nicht vor. Unsere Fraktion hat dazu eine schriftliche Anfrage gestellt, doch die Antwort wurde auf eine der nächsten Sitzungen vertagt. Zu lange wurde hier gewartet und vertagt.

Ehrlich ist auch: Eine billige Lösung gibt es nicht. Neue Parkplätze kosten Geld, und sich von der Pflicht freizukaufen kostet auch. Einen ersten Schritt haben wir als Fraktion KRÜN gemacht. Wir beantragen eine Übersicht aller Flächen der Gemeinde: alle Grundstücke, alle Gebäude, alle gemieteten Flächen. Denn nur wer weiß, was er hat, kann klug damit planen. Darauf bauen wir Vorschläge auf, wie das Parken im Ortskern besser wird. Fertig ist davon noch nichts – wir versprechen nichts, was nicht hält.

Aber zuerst müssen die Zahlen auf den Tisch. Das Rathaus ist das Haus der Bürger, und seine Zahlen sind unsere Zahlen. Deshalb, liebe Leserinnen und Leser, die Frage an Sie: Wollen wir wissen, was unser Rathaus wirklich misst und kostet? Oder wollen wir es lieber nicht so genau wissen?

*Maximilian Pfannkuch, Gemeindevertreter (KRÜN)*
